OASE Begegnungsstätte


SkF übernimmt Borderline-Trialog

In der OASE Begegnungsstätte finden regelmäßig Treffen zum Thema statt


Ende September hat erstmals seit längerer Zeit wieder ein Austausch zum Thema Borderline stattgefunden. Auf Einladung des Sozialpsychiatrischen Dienstes des SkF und in Kooperation mit der „Gesundheitsregion plus“ fand im Landratsamt ein Fachnachmittag statt, bei dem Betroffene, Angehörige und professionelle Helfer die Gelegenheit erhielten, miteinander ins Gespräch zu kommen. Martina Baumeister und Nicole Fischer haben die Aufgabe übernommen, diesen Austausch nun kontinuierlich weiter zu organisieren.

Die Psychotherapeutin Rosemarie Piontek hatte den Trialog einst ins Leben gerufen und ihn zehn Jahre bis Ende 2018 organisiert. Bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Fachnachmittags berichtete sie von ihren Erfahrungen, auch davon, dass zuletzt zwar noch Angehörige und Betroffene an den Treffen teilnahmen, aber immer weniger Profis. Für alle Angehörigen seien die Treffen jedoch „immer sehr bereichernd“ gewesen.

Dass dieser Trialog nun wieder „aus dem Dornröschenschlaf“ geweckt werden soll, darüber zeigte sich auch Lothar Riemer von der Abteilung Gesundheitswesen im Landratsamt sehr erfreut. Er moderierte die Veranstaltung.

Dr. Jörg Wolstein, Professor für Pathopsychologie an der Universität Bamberg, führte die große Zahl an Teilnehmern zunächst in das Krankheitsbild ein. Patient*innen fühlten sich oft als „Grenzgänger“; ihr Verhalten schwanke zwischen einer Psychose und einer Neurose hin und her. Wolstein beschrieb Gefühle und Verhalten der  Borderline-Patient*innen. Symptome zeigten sich häufig schon im Grundschulalter. Das Leben sei für die Menschen „in der Regel unerträglich‘“, sie seien von Emotionen überwältigt. Sie müssten ein neues Verhalten erlernen. In dem Film „Diagnose Borderline“ beschrieb eine Betroffene ihren Zustand, ihre Ängste, ihr selbstverletzenden Verhalten, das von einem inneren Druck entlasten soll. Eine Betroffene war auch Teilnehmerin am Podiumsgespräch.

In Beratungsstellen wie der OASE kommen die Fachkräfte immer wieder mit dem Thema in Berührung. Angehörige suchen Hilfe bei der Frage, ob sie am Verhalten des Betroffenen Schuld sind, wollen wissen, wie man mit ihm umgeht. Für Betroffene sind die Berater*innen oft Erstansprechpartner in Krisensituationen, auch Begleiter nach einem Krankenhausaufenthalt. Allein deshalb ist das kontinuierliche Gespräch zwischen Beratungsstelle sowie ambulanter und stationärer Fachkompetenz außerordentlich wichtig. Im Landratsamt schilderten Markus Gmelch, Susanne Najar und Daniela Kraft ihre Behandlungsmöglichkeiten im ambulanten und stationären Bereich. Alle Gesprächspartner unterstützten das Anliegen, wieder einen Trialog ins Leben zu rufen. Auch sollten, so der Wunsch von Piontek, die professionellen Einrichtungen noch stärker vernetzt sein, sollten Einweisungs- und Entlasswege standardisiert werden.

„Die Wege sollen kürzer werden“, wünschte sich Nicole Fischer vom SkF. Der Fachnachmittag war der Auftakt dazu. Weitere Treffen zum Thema Borderline werden das Thema „Borderline – Was heißt das?“ und am 11. November das Thema “Borderline und Achtsamkeit“ behandeln. Sie finden jeweils um 17 Uhr in der OASE-Begegnungsstätte statt. Die Teilnahme ist ohne Anmeldung möglich. Angebote sollen nun kontinuierlich einmal im Monat gemacht werden.

Text und Foto: C. Dillig






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