OASE Sozialpsychiatrischer Dienst

Vorleseabend in der Oase

Bundesweite Aktionswoche weist auf Unterfinanzierung der Arbeit hin


Wie sieht der Alltag eines hauptberuflichen Betreuers aus? Episoden aus Begegnungen mit Menschen, die ihre eigenen Belange nicht (mehr) vertreten können, schildert die Autorin Renate Fischer in ihrem Buch „Herz IV, aus dem Alltag einer rechtlichen Betreuerin“. Bei einem Vorleseabend aus Anlass der bundesweiten Aktionswoche der katholischen Betreuungsvereine unter dem Motto „Wir sind da – auch für Sie!“ lasen Marion Haase vom SkF und der Journalist Stefan Hoffmann aus dem Buch. In der Begegnungsstätte „Oase“ berichtete zudem Elke Wunder über die Betreuungen und wies auf einen chronischen Mangel hin, die Unterfinanzierung der Arbeit.

In gemütlicher Atmosphäre, bei Tee und Plätzchen, hörten viele Gäste den vorgetragenen Geschichten zu. Fischer zeigt manch skurrile Erlebnisse  auf, berichtet von Eigenarten ihrer Klienten, von schwierigen Forderungen und manchem erheiterndem Verhalten. Da geht es um Mieter, die in ihrer Wohnung Rauschgift verstecken, um eine geistig und seelisch behinderte junge Frau, die schwanger wird und sich dadurch erstmals im Leben Anerkennung verschafft, um Forderungen an Betreuer, die , nachdem sie erfüllt und die Folgen erkannt sind, wieder rückgängig gemacht werden sollen, um bürokratische Hürden. Fischer benennt in ihrem Buch aber auch die Gefahr, der ein Betreuer ausgesetzt ist, wenn  er bester Freund und Familienersatz ist, dem Helfersyndrom verfällt. Wenn er sich nach langjährigen Beziehungen zum Klienten von diesem lösen will, hat er mit Schwierigkeiten zu kämpfen.

Die beiden Vortragenden zeigten ein buntes Bild der Arbeit von Betreuungsvereinen auf. Zu deren  Aufgaben gehören auch die Information und Beratung zu Vorsorgemöglichkeiten sowie die Schulung ehrenamtlicher Betreuer und Familienangehöriger.

Die Mitarbeiter des Betreuungsvereins nutzten die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass Betreuung heute nicht adäquat bezahlt ist. Es müsse eine große Menge an Betreuungen übernommen werden, um einen auskömmlichen Verdienst zu haben. Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) fordert daher zusammen mit dem Deutschen Caritasverband (DCV) und dem SKM Bundesverband Bund und Länder auf, schnellstens die Existenz der Betreuungsvereine zu sichern und in einem ersten Schritt einer ausreichenden (tarifgerechten) Erhöhung der Stundensätze beruflicher Betreuung zuzustimmen.


Text und Foto: C. Dillig


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