Notruf


Hoher Bedarf an Information 

Notruf bei sexualisierter Gewalt bietet Prävention an und hilft seit 30 Jahren Betroffenen

Wie nah ist zu nah? Wie schütze ich mich? Wer hilft mir bei Verdacht? Dies sind ganz zentrale Fragen von Personen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Der „Notruf bei sexualisierter Gewalt“ hilft, Ohnmacht zu überwinden und wieder Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen. Die Beratungsstelle weist in einem neuen Flyer darauf hin, dass sie auch für Präventionsschulungen in Einrichtungen und Firmen zur Verfügung steht.

Im vergangenen Jahr, dem 30. seit Bestehen, haben Marlies Fischer und Ute Staufer mehr Präventionsveranstaltungen durchgeführt als zuvor. Geschuldet ist dies wohl auch der neuen Offenheit für die Thematik, die im Rahmen der Missbrauchsdebatte entstanden ist. Es gebe einen „hohen Bedarf“ an Information stellen die Sozialpädagoginnen in ihrem Jahresbericht heraus. Rund 500 Personen, vor allem Multiplikatoren, beschäftigten sich in Schulungen mit dem Thema. Viele Verbände, Malteser und Caritas, Erzbistum und Lebenshilfe, aber auch Kindertageseinrichtungen, Schulen und Ämter nahmen das Angebot wahr. „Wir konnten für die kleinen und großen Grenzverletzungen des Alltags sensibilisieren“, so die Aussage der Fachfrauen. Die Veranstalter setzten mit dem Schulungsangebot ein Zeichen, „dass sie dem Thema Raum geben und eine gemeinsame Sprache sprechen wollen.“ Sie machten damit auch deutlich, „dass sie sexualisierte Gewalt als mögliche Realität in ihren Arbeitsfeldern sehen und Position beziehen.“ Mögliche Täter sollen durch diese Schulungen „abgeschreckt“ werden.

Neben der Arbeit mit Multiplikatoren gehört die Einzelberatung zum festen Angebot. Zielgruppe sind selbst betroffene Frauen, Männer und Kinder, aber auch Angehörige oder Fachleute, die in ihrem beruflichen Kontext mit dem Thema zu tun haben. 92 Betroffene wandten sich im letzten Jahr an die Beraterinnen, der allergrößte Teil Frauen. Auch suchten 48 Angehörige einen Rat. Die meisten kamen aus Stadt und Landkreis Bamberg, etliche aber auch aus anderen Landkreisen. Insgesamt gab es 850 telefonische,  rund 240 persönliche und 390 E-Mail-Beratungen. „Unser erstes Ziel ist die Entlastung der Betroffenen, denn viele quälen sich mit der Frage nach der eigenen Schuld am Geschehenen.“ In den Gesprächen wird nach den eigenen Ressourcen und nach Handlungsmöglichkeiten gesucht. Den Betroffenen solle die Botschaft vermittelt werden: “Das Leben ist mehr als das Trauma.“ Sie sollen wieder in die Lage versetzt werden, eigene Entscheidungen über ihr Leben zu treffen.

Für Menschen mit Gewalterfahrungen gibt es ab 8. Mai auch wieder eine wöchentlich stattfindende Betroffenengruppe. Hier können sie ihre Gefühle benennen und die Bewältigungsstrategien anderer Teilnehmer kennenlernen. Zudem besteht schon seit 15 Jahren eine Gruppe für Mütter, deren Kinder von sexualisierter Gewalt betroffen sind oder waren.

Sexualisierte Gewalt hat etwas mit Macht zu tun, sagen Fischer und Staufer. Den Betroffenen wollen sie zeigen, dass sie Grenzüberschreitungen benennen dürfen  und dass sie Unterstützung erhalten, kostenlos und unbürokratisch. Anonymität ist garantiert. „Wir müssen vermeiden, dass erst dann gehandelt wird, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.“

Die Betroffenengruppe  trifft sich jeweils mittwochs von 10.00 bis 11.30 Uhr in der Heiliggrabstraße 1. Informationen beim Notruf bei sexualisierter Gewalt.


Text und Fotos: C. Dillig


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