Notruf


„Nein“ zu Gewalt an Mädchen und Frauen

Notruf und Frauenhaus beim Aktionstag „One Billion Rising“

„Break the chain“ („Spreng die Ketten“) – diese Aufforderung hallte heuer zum sechsten Mal über den Bamberger Maxplatz. Mädchen, junge und ältere Frauen und auch etliche Männer waren am Valentinstag in die Stadtmitte gekommen, um mit einem Tanz deutlich zu machen: Frauen haben ein Recht auf ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben – hier in Bamberg, in Deutschland und überall auf der Welt. Das Anliegen „One Billion Rising“ wird am gleichen Tag auch in vielen anderen Ländern formuliert. Der Notruf bei sexualisierter Gewalt und das Frauenhaus waren Teil der Veranstaltung.

„Wir wollen ein Bewusstsein für Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen und Mädchen schaffen. Und wir wollen ihnen eine Stimme geben“, sagte Petra Müller-Trunk vom Organisationsteam. Dies bedeute, „Nein“ zu sagen zu frauenverachtendem Verhalten, zu Misshandlung und Missbrauch.

Dies unterstützen tagtäglich auch die Mitarbeiterinnen des Notrufs bei sexualisierter Gewalt und des Frauenhauses, beide Einrichtungen des Sozialdienstes katholischer Frauen. „Wir wollen die Menschen, die zu uns kommen, bewegen, sich über die ihnen angetane Gewalt zu erheben. Wir wollen ihnen vermitteln, dass das Leben mehr sein kann als das Trauma“, verwies Marlis Fischer auf die Leitlinie des Notrufs: „Bewegen – erheben – leben“. 86 Frauen und sechs Männer suchten im vergangenen Jahr Hilfe in der Beratungsstelle in der Heiliggrabstraße.

„Bei Gewalt gibt es keine Toleranz und kein Verständnis“, konstatierte die Leiterin des Frauenhauses, Ursula Weidig. „Wehrt euch, seid achtsam“, forderte sie vom Podium aus. Sie kennt viele Schicksale von Opfern von häuslicher Gewalt, denn das Frauenhaus sei seit seinen Anfängen vor über 30 Jahren fast immer voll belegt.

Die Zahlen sind erschreckend: Jede dritte Frau, in Deutschland jede Vierte, wird im Laufe ihres Lebens vergewaltigt oder geschlagen, und dies meist in ihrem nahen Umfeld, oft in der Partnerschaft oder Familie. Deren Leid müsse Motivation sein, Verantwortung zu übernehmen, sagte Petra Müller-Trunk.

„Spreng die Ketten“ – energiegeladen und kraftvoll tanzten dann die Anwesenden zu den Klängen des Liedes, das in deutscher, englischer und spanischer Sprache über den Maxplatz schallte. An einem Stand konnte man sich über die Arbeit der Einrichtungen des SkF informieren.

Am Valentinstag 2012 war die Kampagne „One Billion Rising“ von Eve Enssler ins Leben gerufen worden und am 14. Februar 2013 fand sie zum ersten Mal weltweit statt.

Text und Fotos: C. Dillig


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