Fachdienst Migration

Fluchtursachen aus dem Iran

Fachdienst Migration und Jugendmigrationsdienst luden zu Fachvortrag ein

Die politische Landschaft und das von inneren Widersprüchen und komplizierten Kräfteverhältnissen geprägte politische System der islamischen Republik Iran standen im Zentrum eines Vortrags über Fluchtursachen. Dr. Andreas Wilde sprach auf Einladung des Fachdienstes Migration und des Jugendmigrationsdienstes über die Regionalmacht im Mittleren Osten und die Situation der Menschen. Der Vortrag fand im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus statt.

Die Proteste im Iran zum Jahreswechsel 2017/18 hatten das Land vorübergehend wieder in den Fokus der Weltöffentlichkeit katapultiert. Dr. Wilde, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Iranistik der Universität Bamberg, stellte den Zuhörern die politischen Instanzen des Staates vor, die nur zu einem Teil vom Volk gewählt sind. Aufgabe der höchsten Instanz, des Revolutionsführers, sei es, die Richtlinien der Politik zu bestimmen. Es müssten viele unterschiedliche Interessens- und Gesellschaftsgruppen ausbalanciert werden. Für Wilde zeigt sich der Iran zwar als innerlich gefestigt und stabil. Zugleich gebe es Unterdrückung, wirtschaftliche Stagnation, Arbeits- und Jugendarbeitslosigkeit und auch große Umweltschäden sowie die Todesstrafe.

Dem religiös bestimmten Staatsgebilde entfliehen Menschen, die das System kritisieren. Zwar ist nach Wildes Aussage das Bild einer „totalen Willkür“ falsch. Ein Ermessensspielraum für Kritik sei vorhanden. Jedoch werde alles, was die Existenz des Staates infrage stellt, bekämpft. Neben politisch Oppositionellen stünden auch Musiker, Schriftsteller, Filmemacher mit dem System auf Kriegsfuß, religiöse und ethnische Minderheiten hätten kaum Rechte. In Konflikt mit dem Staat gerieten auch Personen aufgrund ihrer Lebensführung, etwa Homosexuelle. Der Referent wies weiterhin auf wirtschaftliche Faktoren hin, auf Ungleichheit bezüglich Einkommen und Vermögen, auf Arbeitslosigkeit, Korruption. Seit Jahrzehnte gebe es einen „Brain-Drain“. Das System werde sich jedoch trotz öffentlicher Proteste und zunehmender Debatten vorerst nicht ändern, sagte Wilde.

Text und Foto: C. Dillig


 

 

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