Gesetzliche Betreuungen

Gesundheits-, Vermögenssorge und Hilfe beim Behördenkontakt 

Sozialpädagogen des Betreuungsvereins helfen beim Selbstständig sein

Markus Manuel Kaiser ist zufrieden. Heide Schechinger auch. Nach einem Gespräch in Schechingers Büro im Haus des SkF in der Schwarzenbergstraße darf der 36-Jährige mit einer genau festgelegten Summe Geldes für seinen Lebensunterhalt nach Hause gehen. Schechinger regelt unter anderem seine Vermögensangelegenheiten. Sie ist vom Gericht zur gesetzlichen Betreuerin für Kaiser bestellt worden. Der lebt allein in einer Dachgeschosswohnung in Bamberg und finanziert sein Leben durch die Grundsicherung. Schon heute weiß er: „Ich werde immer darauf angewiesen sein.“

Kaiser, in einem schwierigen familiären Umfeld aufgewachsen, hat Gärtner im Zierpflanzenbau gelernt, danach verschiedenen Stellen gehabt, im Hotel, bei der Müllabfuhr, in der Altenpflege. Eine Erkrankung, Spielsucht, Aufenthalt in der Nervenklinik, auch im Gefängnis sind Bestandteile seines Lebens.

Wenn Menschen ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können, wenn Familienmitglieder nicht helfen können oder wollen, dann greift das seit 1992 geltende Betreuungsgesetz. Ein Berufsbetreuer wird bestellt. Das Gericht steckt genau ab, für welche Aufgaben diese Person zuständig ist, etwa für die Gesundheitsvorsorge, die Vermögenssorge, die Vertretung bei Behördenangelegenheiten. Ziel ist es, dem Klienten ein selbstbestimmtes Leben unter Achtung seiner Grundrechte zu ermöglichen.

Mitunter ist das schwere Arbeit, wenn etwa Personen wie Markus Kaiser sich sehr stark zurückziehen, allein leben und ihre Zeit keinesfalls mit anderen Personen, sondern vor allem am Computer verbringen wollen. Heide Schechinger, die jeden Monat ein Gespräch mit Kaiser führt, hat ihn heuer zum Arztbesuch bewegen können, wogegen er sich früher gesträubt hatte. Heute benutzt er ein Hörgerät und seine Zähne sind wieder in gutem Zustand. Die Betreuerin hört gerne, wenn er Freude daran hat, sich mit anderen Menschen zu beschäftigen, etwa auf die Kinder einer Bekannten aufzupassen. Zusammen wird auch überlegt, wo Kaiser ein Praktikum machen könnte, um langfristig einmal wieder selbst etwas zum eigenen Lebensunterhalt beitragen zu können.

Ihr Klient hat genaue Vorstellungen von dem, was er will und was nicht. „Oft hat bei ihm etwas nicht gepasst“, sagt sie. Aber sie setzt bei ihm auf Lernprozesse: „Man muss auch lernen, etwas auszuhalten.“ Daran arbeitet man bei den regelmäßigen Zusammenkünften. Und damit er immer genau weiß, wieviel Geld er im Monat noch übrig hat um sich etwas zu leisten, muss die Summe von ihm schriftlich bestätigt werden. Ein wenig Übersicht sollte schon sein, wenn eine Person möglichst selbstständig leben soll.

Auch in seiner Wohnung hat der allein lebende Markus Kaiser regelmäßig Besuch von einer Fachkraft. Ein bis zwei Mal pro Woche kommt ein Sozialpädagoge des Betreuten Wohnens vorbei und sieht nach dem Rechten, gibt Hilfestellung, begleitet beim Einkaufen und versucht ihn dazu zu bewegen, hin und wieder seine Wohnung zu verlassen.

Kontakt zu Familien und Schulung von Ehrenamtlichen

Sich um ihre Klienten zu kümmern ist jedoch nur eine Aufgabe der hauptamtlichen Betreuer im Betreuungsverein des SkF. Sie haben auch die Familien der Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen  im Blick. Dies gilt vor allem auch in Hinblick auf die älter werdende Gesellschaft, in der es zunehmend mehr Menschen mit Demenz gibt. Man kann Vorsorge treffen für den Fall, dass ein Angehöriger seine Angelegenheiten eines Tages nicht mehr allein regeln kann, sei es aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit. So beraten Schechinger und ihre Kollegen zur Vorsorgevollmacht und zur Betreuungsverfügung. Mehrmals im  Jahr werden auch Einführungsabende für neu bestellte ehrenamtliche Betreuer angeboten.

Den schon ehrenamtlich tätigen Betreuern steht man mit Rat und Tat zur Seite, bietet Informations- und Schulungsveranstaltungen an. Nicht zuletzt ist es auch Aufgabe des Betreuungsvereins, neue Ehrenamtliche zu gewinnen. Denn es soll das persönliche Element in der Betreuung gestärkt werden.


Text und Foto: C. Dillig

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