Gesetzliche Betreuungen

Bei Gesprächsrunde des Betreuungsvereins wurde über Patientenverfügung diskutiert

Umgang mit Entscheidungen am Lebensende

Am Lebensende einer Person müssen oft schwierige Entscheidungen getroffen werden, von deren Angehörigen, von Betreuern oder Bevollmächtigten: Soll eine Therapie beibehalten oder das Ziel geändert werden? Welchen Stellenwert hat dabei eine Patientenverfügung? Der Betreuungsverein und die gerontologische Beratungsstelle des SkF hatten zu einer Gesprächsrunde mit dem Thema „Umgang mit Entscheidungen am Lebensende“ in die Begegnungsstätte OASE eingeladen.

Rudi Wagner-Jakob, Theologie mit einer Ausbildung zum Ethikberater, verwies zunächst auf die Bedeutung einer Patientenverfügung. Ganz wesentlich sei, dass sie im Dialog entstehe, mit dem Partner des Patienten, dem Arzt des Vertrauens oder einem anderen Fachmann. Sie solle dann erfolgen, wenn der Patient noch entscheiden kann. Die Autonomie der Person spiele immer eine große Rolle.

Patientenverfügungen sollten als Verständigungs- und Gesprächsangebot zwischen Patient und Arzt, Angehörigem, Betreuer oder Bevollmächtigtem verstanden werden.  Um den vermutlichen Patientenwillen zu ermitteln, riet Wagner-Jakob auch festzuhalten, was dem Patienten allgemein wichtig ist und wie er Lebensqualität definiert. Dies könnten etwa Wertvorstellungen sein, der Grad der akzeptierten Abhängigkeit; es könnten wichtige biographische Stationen oder auch für den Patienten wichtige Sinneswahrnehmungen, Glücks- oder Unglücksmomente aufgeschrieben werden.

Jedoch gab der Referent zu bedenken, dass eine Verfügung beim Eintreten einer neuen Situation jederzeit verbal oder durch das Verhalten des Verfügenden widerrufen werden könne. Das Geschriebene sei kein zu exekutierender Befehl, sondern gebe nur die Richtung an. Das Problem sei, die Balance zu finden zwischen dem, was der Patient festgehalten hat und dem, was angemessen ist.

Co-Referentin Dr. Angela Jakob rief aus ihrer Erfahrung als Ärztin dazu auf, die Inhalte einer Patientenverfügung immer wieder einmal zu überdenken und sie, wenn nötig, zu ändern. Bei Entscheidungen am Lebensende sei das Gespräch aller beteiligten Personen unbedingt notwendig. Das  Leben müsse in Würde zu Ende gehen.

Anhand von Fallbeispielen diskutierten die Teilnehmer über schwierige Entscheidungssituationen, etwa auch, wenn Demenz erst nach dem Verfassen einer Patientenverfügung eintritt. Bei der Frage, ob auch Menschen  mit geistiger Behinderung ein solches Schreiben aufsetzen können, verwies der Referent auf Texte in leichter Sprache.

Rudi Wagner-Jakob und Dr. Angela Jakob sind Mitglieder eines Arbeitskreises Ehrenamtlicher, der Unterstützung beim Umgang mit Patientenverfügungen anbietet. Sie moderieren Gespräche von Angehörigen bezüglich des Verfassens einer solchen Verfügung. 


Text:C. Dillig

Bild Fotolia.de 

nach oben