INSEL Begegnungsstätte

Kurzurlaub für Geist und Seele

Klienten der Insel Forchheim lernten beim Bouldern Grenzen zu überwinden

Matthias Schopper fasste einen ereignisreichen Tag zusammen: „Klettern ist wie ein Kurzurlaub für den Geist und die Seele“. Dies erfuhren fünf KlientInnen der INSEL-Beratungs- und Begegnungsstätte in Forchheim. Zusammen mit einer Sozialpädagogin hatten sie sich auf den Weg in die Boulderhalle „Blockhelden“ nach Erlangen-Dechsendorf gemacht, um ihre Fertigkeiten an  mehreren oft senkrechten bodennahen Kletterelementen zu erproben. Möglich gemacht wurde die Aktion durch die französische Partnerstadt Forchheims, Le Perreux sur Marne, die den Erlös ihres Verkaufs beim Weihnachtsmarkt dem Sozialpsychiatrischen Dienst zukommen ließ.

Für fast alle Teilnehmer war das „Bouldern“ noch komplettes Neuland. Nach einem sehr herzlichen Empfang durch die Bouldertrainer Stefan Först und Matthias Schopper legte sich die erste Aufregung jedoch schnell. Beide sind schon lange im psychiatrischen Bereich tätig.

Wichtig sei es, dass jeder Schritt an der Wand sicher und gut überlegt sei, sagten sie und gaben weitere Anregungen. Die TeilnehmerInnen sollten etwa auf die Impulse des eigenen Körpers achten und  in Angstsituationen den Atem als Anker einsetzen. Sie sollten sich durch die Fragen „Was denken denn die Anderen hier über mich?“ oder „Mensch, ich kann das doch gar nicht“ nicht abhalten und ablenken lassen.

Im Laufe des Tages ging es, immer am Tempo der TeilnehmerInnen orientiert, an die Wand. Aktive Hilfestellungen während des Kletterns schafften dabei die nötige Sicherheit. Auch die Gruppe, der große Zusammenhalt und vor allem die vielen positiven Rückmeldungen und Bestärkungen trugen dazu bei, dass eigene Grenzen wahrgenommen und Schritt für Schritt überwunden wurden. „Ich hab einfach meinen inneren Schweinehund überwunden, das war ein richtig gutes Gefühl“, stellte eine Teilnehmerin fest, als sie wieder sicheren Boden unter den Füßen hatte. Nicht hetzen, nichts überstürzen – so lautete die Devise des Tages.

Das Bouldern soll helfen, im Hier und Jetzt zu sein, an dem zu arbeiten, was gerade möglich ist und was sich gut anfühlt. Und genauso hilft es, sich der oft als unangenehm empfundenen Emotion „Angst“ zu stellen, sie wahrzunehmen, anzunehmen und sich von ihr nicht lähmen zu lassen, ihr durch tiefes Atmen und kleinschrittiges Vorgehen die Macht zu nehmen und sie zu überwinden.

Die Belohnung: Freude und Stolz bezüglich des Erlebten und vor allem der Wunsch, die Erfahrungen in diesem unterstützenden und sicheren Rahmen zu wiederholen.

Text: Simone Reichert/C. Dillig

Foto: INSEL Begegnungsstätte

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